Transmongolische Eisenbahn – Von Beijing nach Ulaan Baatar

Mongolia '13

Nach einer sehr beeindruckenden woche in der wüste sind wir wieder zurück in UB. aber jetzt erstmal alles von anfang an….
600 Wecker klingelt. rucksack satteln und ab in die metro zum beijinger hauptbahnhof. nach vielen zugfahrten in china durften wir jetzt zum ersten mal in die internationale wartehalle. die fahrt von beijing nach ulaan baatar soll ca. 30h dauern. dies kann aber auch erheblich schwanken, wenn es beim grenzübergang komplikationen gibt. dazu wird noch das komplette fahrwerk des zuges ausgetauscht, da die russen und mongolen einen 7,5cm schmaleren gleisabstand haben…
trotz des üblichen chaos in der wartehalle verlief alles recht unkompliziert. auffällig war, dass recht viele westliche gestalten in den zug einstiegen und kaum chinesen, was nach einigen monaten in dem land, vor allem daniel sehr entgegen kam. wir hatten die hardsleeper klasse gebucht, weil 30h ja eigentlich nur ein katzensprung sind, im verhältnis zum noch kommenden abschluss der ganzen tour. wie wir dann aber feststellten sind die internationalen züge wohl doch um einiges luxuriöser aufgebaut und so kamen wir in ein geschlossenes 4er abteil für uns allein. es sollte auch während der ganzen fahrt niemand mehr in unser abteil hinzustossen. ein paradies!
so ging es dann pünktlich um 800 los richtung mongolia.
während des tages erkundeten wir den zug, wobei wir feststellten, dass dieser erschreckend leer war. einige wagen waren völlig unbesetzt, aber es war auch dementsprechend ruhig und ungestresst während der fahrt. wir lernten unsere nachbarn kennen, vor allem ein mädel aus hongkong die einen immensen kommunikationsbedarf hatte! aber viel kann man über solche zugfahrten nicht berichten, da man, wie sich jeder denken kann, halt einfach im zug sitzt/liegt. die landschaft wurde immer karger und verwandelte sich zur steppe, je weiter wir richtung grenze kamen. wir schlugen die zeit mit filmen und büchern tot. es war ein sehr entspannter trip :) erst am späten abend wurde es wieder interessanter, denn es ging richtung grenze.
die chinesischen beamten kammen in den zug und nahmen unsere pässe entgegen, darauf hin sollten wir alle den zug verlassen. das ganze fand in einem kleinen grenzort mit dem namen erlian statt. da standen wir dann draussen ohne gepäck und ohne pass im hinerletzten dorf chinas. es war schon etwas komisch den zug dann ohne uns weiter fahren zu sehen, aber es hatte alles seine richtigkeit. da wir noch ein paar yuan in den taschen hatten, guckten wir was das dörfchen so zu bieten hat und fanden recht schnell ein strassen bbq. hier konnten wir das letzte chinesische geld in lammspieße umtauschen.
insgesamt dauerte der fahrwerkswechsel 4 stunden und in der zeit weiss man, inzwischen nachts, nicht wirklich was zu tun ist. wir besorgten uns anschliessend noch ein paar kännchen bier und warteten brav auf unseren zug.
4 stunden später hiess es dann wieder aufsitzen, der zug fährt weiter. wir bekamen unsere pässe zurück, verliessen china und stoppten ca. 3 min später wieder: mongolische passkontrolle. diesmal wurde unser hab und gut etwas akribischer durchgeguckt, aber nach einigem hin und her mit den arrivalcards und anderen dokumenten, die teilweise nur auf kyrillisch gedruckt waren konnten wir gg 200 nachts endlich weiterfahren. die beamten hatten zwar etwas komisch geguckt, als daniel ihnen 2 pässe vor die nase gahalten hat, aber haben das system dann doch recht schnell verstanden und durchgewunken. wir waren nun in der mongolei und durften endlich schlafen…
den grössten teil der wüste durchfährt der zug leider nachts. wir haben zwar gg 500 mal die augen geöffnet und raus geschaut, aber da waren wir schon fast wieder im grasland. machte aber nichts, da wir ja noch einen trip in die gobi machen wollten. also augen wieder zu.
nach einer angenehmen nacht im zug (daran hatten wir uns ja schon richtig gewöhnt) ging es am nächsten morgen in alter routine weiter. ca 1,5h bevor wir nach ulaan baatar kommen sollten kam eine durchsage im besten englisch, was uns völlig von den sitzen geworfen hat! uns wurde mitgeteilt, dass wohl ein güterzug irgendwo vor dem bahnhof stehen geblieben ist und sich unsere weiterfahrt wohl um einige stunden verzögern wird. wenn man öfters mit der DB fährt kennt man das problem ja schon zu genüge, aber ausgerechnet bei der transmongolischen eisenbahn?!?! wie weit kann man denn noch aus deutschland weg sein…
naja damit abgefunden hatten wir uns recht schnell, da wir genug nahrung dabei hatten und eh noch nicht ganz wach waren. 10 min später hält der zug und auf einmal stürmen alle raus. wir waren etwas verwirrt und fragten unsere freundin aus hongkong in englisch, die fragte ihre mongolischen freunde in chinesisch und diese fragten die stämmigen zugbegleiterinnen in mongolisch: es gibt schienenersatzverkehr!! mehr als 5000km weg vom täglichen bahnalltag durften wir mitten in der mongolei das ganze prozedere bei der transmongolischen eisenbahn miterleben! wir hatten noch nichts gepackt und waren noch vollkommen verklatscht…
draussen erwarteten uns schon einige taxifahrer, die das ganze wohl schon unlängst mitbekommen haben mussten, denn hier draussen war sonst nichts. wir erfuhren wieder über die übliche flüsterpost, dass wir die busse nehmen sollen, da diese kostenlos für uns sind. also legten wir die letze stunde der transmongolischen bahnreise im bus zurück, macht auch nicht jeder ;)

ps: unterwegs sahen wir sogar den übeltäter auf den bahngleisen stehen, der uns die aktion eingebrockt hatte…

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