Transmongolische Eisenbahn – Von Ulaan Baatar nach Irkutsk

Mongolia '13

Dobry Djen, wir sind in russland!
Los ging die Reise am Freitag um 1350 vom Hauptbahnhof in Ulaan Baatar. Wir hatten uns von unserem hostel ein taxi besorgen lassen, da das in der stadt nicht ganz einfach ist. zu fuss wären die 3km zum bahnhof mit vollem marschgepäck zur absoluten tortur geworden.
wir wussten von unserem hostel, dass der zug brechend voll sein wird, da viele junge mongolen nach russland zum studieren fahren. wir würden also nicht den luxus des leeren zugs der letzten reise geniessen können. des weiteren hatte unser hostelmensch bei den tickets mist gebaut und leider das von stefan zunächst vergessen und anschliessend nachgebucht. damit war stefan 2 wagen weiter hinter daniel und mir einquartiert worden.
als wir ca. eine stunde vor abfahrt einsteigen konnten, merkten wir, dass der zug wirklich voll war! die jungen studenten hatten alle zig koffer und tüten dabei und es wurde auch sehr schnell sehr eng in unserem 4er abteil. stefan kam kurz rüber in unser abteil und wir stellten fest, dass wir nicht tauschen brauchten, da eines der mädels in unserem abteil die meiste zeit nicht da war. generell wuselten alle mongolen quer durch die abteile und keine hatte mehr einen festen platz. das problem war also gelöst. als nächstes mussten wir unbedingt platz schafen und fingen an alle koffer bestmöglich zu verstauen. draussen liefen derweil filmreife abschiedszenen ab. viele der leute fuhren das erste mal weg von zu hause und dann direkt 5 tage am stück nach moskau! die lange zugfahrt ist günstiger als der kurze flug, darum nahmen viele die anstrengende reise auf sich. wir sollten sie nur für 25h begleiten und dann in irkutsk austeigen.
die fahrt lief sehr entspannt ab, wir verabschiedeten uns von der mongolischen landschaft, freuten uns aber auch mal wieder wälder in naher zukunft sehen zu können. zu viel grasland macht einen auch irgendwann irre.
am späten nachmittag mussten wir uns bei unserer zugbegleiterin registrieren und stefan wurde aufgefordert dafür in seinen zugeteilten wagen zu gehen. er ging raus, wir registrierten uns und 30min später stand stefan wieder in unserem abteil. dicht wie ein russischer panzer!! wir guckten nicht schlecht. er erklärte uns, nicht mehr vollends souverän, dass in seinem eigentlichen abteil 5 junge mongolen sitzen, die gerade die vodka flaschen haben kreisen lassen, als er hinzugekommen ist. vortan sass er bis zur grenze wieder bei uns, wenn auch etwas müder als zuvor ;) an der grenze sollte es dann auch wieder spannend werden. insgesamt mussten wir mit ca. 6h rechnen, die wir über die mongolische grenze, durchs niemandsland und dann über die russische grenze brauchen würden. nervig war die uhrzeit. von 2100 abends zog sich die ganze prozedur bis 0300 morgens. man schlief immer wieder mal ein und wurde dann recht unsanft von einem mongolen oder russen in uniform aus den träumen gerissen. man fühlte sich etwas labil bei der aktion. bei uns im abteil machten die kollegen zum glück nur stichproben beim gepäck, sodass wir nicht alles auspacken mussten. es ist auch ziemlich ungünstig, dass während der ganzen operation die toiletten geschlossen waren! 6 stunden können sich richtig ziehen…
erst kurz bevor alle kontolleure wieder den zug verliessen, konnten stefan und daniel auch endlich raus und draussen eine toillete suchen. den beiden war die erleichterung ins gesicht geschrieben. anschliessend ging es auch schon wieder weiter und die uhren wurden ereut eine stunde weiter gestellt, so dass wir jetzt bei +7h liegen.
gegen 0900 morgens wurden wir in userem abteil wach und liessen bei stefan durchklingeln, der für die nacht in seinem bett drüben geschlafen hatte. wir fingen gerade an zu frühstücken, als wir auch schon wasser sahen. daniels geniale schlussfolgerung: “da istn see…ach, der baikalsee!”. wir hatten richtig glück die strecke tagsüber zu befahren, denn gem. reiseführer sollte dies mit der interessanteste abschnitt der ganze strecke sein. uns fiel direkt auf, dass der see tiefblau war. das wasser ist für einen süsswassersee ungewöhnlich klar. man soll eine sichttiefe von 43m haben. insgesamt ist der see 700km lang und bis zu 70km breit, an der tiefsten stelle 1700m tief. 20% der süsswasserreserven der welt liegen also hier rum. wir sind gespannt…(wir hatten viel zeit im zug unsere reiseführer zu lesen).
die nächsten 200km von gosok bis sludjanka ging es die küste entlang. dieser teil der transsibstrecke ist zusammen mit dem mongolischen der neuste abschnitt aus der mitte des 20ten jhdts. zuvor wurden die züge von mysovaja an der ostseite des sees bis port baikal auf der westseite mit 2 fährschiffen herüber gefahren. eines dieser schiffe steht heute noch in irkutsk. obwohl der see im winter mit einer biszu 120cm dicken geschlossen ist, fuhren nur einmal, zur zeit des krieges gegen japan, züge über das eis…soviel zur geschichte der strecke (wir hatten wirklich viel zeit).
da irkutsk nicht am see liegt, sondern 70km entfernt, an der angara, verliessen wir die küste noch für ein paar km und kamen um ca. 1500 endlich an. wir sattelten unser gepäck und verliessen fast als einzige den zug. am bahnhof lösten wir noch unsere onlinetickets für die fahrt nach moskau in richtige tickets ein und begaben uns auf den weg zu unserem hostel. hier in irkutsk werden wir zunächst zwei tage verbringen und dann an den see in ein kleineres dorf fahren.
also bis dahin, da swidanija!

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