Transsibirische Eisenbahn – Von Irkutsk nach Moskau – Wir haben es geschafft!!

Russia '13

„Die Eisenbahn. Das ist noch so eins der letzten Abenteuer. Einmal im Leben muss man da drauf. Auf die Transsibirische Eisenbahn.“ – So lautet ein Zitat aus dem Transsibhandbuch, welches gerade auf unserem Tisch im Abteil 4 des 12. Wagens des Vladivostok – Moskau Zuges liegt. Wir sind nun gerade bei km 3000 (entfernung bis moskau) vorbeigefahren und haben unser mittagessen zu uns genommen, welches mal wieder aus einem topf instantnudeln, brot und einem komischen fettkrapfen mit würstchenfüllung, bestand. Letzteren haben wir bei unserem letzten stop in Barabinsk, bei km 3034 am bahnsteig ergattert.

Wir sind vorgestern nacht um 0315 ortszeit, sprich 2215 moskauzeit, in irkutsk losgefahren. Die landschaft vorm fenster ändert sich nicht mehr. Wir fahren duch die sibirische taiga. 25% aller holzreserven der erde stehen hier. Endlose wälder aus birken, kiefern und fichten. Immer wider fahren wir an güterzügen vorbei, welche unmengen holz mit sich ziehen. Nach den tropen im yunan, der wüste und steppe der mongolei durchfahren wir jetzt die letzte vegetationszone unserer reise. Ab und an wird die monotonie der taiga brachial von einem der grossen ströme sibiriens durchschnitten, welche sich ihren weg nach norden ins eismeer bahnen. Bis jetzt haben wir den Enisej und den Ob überquert. Beide überquerungen führten uns über beeindruckende brücken welche schon seit 1898 in betrieb sind.
Wenn man die Transsib betritt wird einem geraten, sich von beginn an mit den zugbegleiterinnen, den „provodinzas“, gut zu verstehen. Die beiden halten abwechselnd einen wagen in schuss. Sie sind verantwortlich für die sicherheit, aber auch für die sauberkeit und das wohlbefinden der passagiere. Diese aufgaben erfüllen unsere beiden tanten auf jeden fall. Regelmässig wird bei uns feucht durchgewischt und auch die beiden toiletten im zug sind den umständen entsprechend sehr sauber. Als wir gestern abend zu unserem abendessen (instantnudeln mit brot und fettiger wurst vom bahnsteig) die handelsübliche pulle vodka zückten, wurde uns diese aktion verboten, aber unsmissverständlich! Die russischen züge, so haben wir das auch mal nachgelesen, verbieten generell alkohol, da sich die einheimischen brüder sonst wohl nicht mehr so ganz unter kontrolle haben. Wir packten den vodka ein und griffen etwas enttäuscht zum tee. Wir hätten uns natürlich auch rebellisch widersetzen können. Aber ihr könnt uns glauben, mit den russischen mütterchen hier will man sich nicht anlegen…
Bis lang hatten wir unser 4er abteil grösstenteils für uns allein. Gestern abend stiegen noch ein paar leute hinzu, welche aber heute morgen schon um 0700 in novosibirsk wieder ausstiegen. So hatten wir nur während der letzten nacht einen weiteren gast bei uns. Noch brauchen wir 48h, bis wir in moskau eintrudeln, wir werden sehen wer sich in er zeit noch zu uns gesellen wird.
Eine tätigeit, die wir inzwischen etwas genauer planen, ist der gang zur toilette. An den grösseren station wird bis zu 40min vor und nach der station die toilette abgeschlossen. An der station selber natürlich auch, damit nichts auf den gleisen landet, während man an den bahnhöfen steht, was auch logisch erscheint. Dennoch macht einen diese tatsache zuweilen etwas probleme. Gerade wenn man morgens wach wird und das aufstehen mitten in diesen zeitraum fällt. Wir haben nun angefangen uns einen wecker zu stellen, der uns kurz vorher noch einmal an das dringlichste erinnert.
Unseren guten lonely planet und das transsib handbuch haben wir inzwischen gut verinnerlicht, die beiden waren aber auch zuweilen sehr hilfreich. Zum beispiel ist die sache mit der zeitverschiebung mit den beiden bücher viel einfacher handzuhaben. Wir durchfahren 5 zeitzonen auf unserem weg nach moskau. Wann die uhren umestellt werden, können wir so an den einzelnen km-ständen der strecke ausmachen. Die jungens haben damals beim bau der strecke alle 100m einen holzpflock in die erde gerammt. Das sind allein auf der stecke nach vladivostok über 90.000 stück. So haben wir zum glück immer wieder eine orientierung. Auch wenn daniel gerne mal bemängelt, dass die dinger auch ruhig auf beiden seiten stehen könnten….
Duch die zeitverschiebung ist unser tag heute 26h lang. Als wären 24h im zug pro tag nicht schon genug. Die beste lösung ist, wenn man sich direkt nach der moskau zeit ausrichtet, das erspart einem eine menge rechenaufgaben, die des öfteren auch mal nach hinten losgehen.
Während unserer zeit im zug haben wir mal grob aufgelistet wieviele km denn jeder von uns während des kleinen trips angesammelt hat. Und das ganze nur auf die bahn bezogen, flugzeug, auto, bus oder kamel mal aussen vor.

Stefan: 7.862 (Das gesamte stück der Transmongolischen Bahn von Beijing nach Moskau)
Tim: 13.222km
Daniel: 14.433km

Alles natürlich unter vorbehalt, dass wir noch knappe 3000km vor uns haben…
Unser notebook haben wir wir nach einigen argumentationen mit hand und fuss bei unserer provodinza an die steckdose hängen dürfen. Die einzelnen abteile sind leider ohne strom ausgestettet. Die gespräche mit den beiden damen im abteil laufen in der regel so ab, dass wir brav lächeln, sie uns 10min auf russisch zutextet und anschliessend mit einer typischen handbewegung zum ausdruck bringen, dass das gespräch nirgendwo hinführt. Anschliessend konnten wir das notebook an den strom hängen. Das notebook ist jetzt gleich leer, darum gibt es jetzt an dieser stelle eine unterbrechung…
Da sind wir wieder. Gerade haben wir unser mittagessen zu uns genommen und warten darauf, dass die uhr gleich wieder um eine stunde zurück gestellt wird. Den vormittag haben wir uns in völkerverständigung versucht. Vor 2 stunden klopfte ein älterer russe an unserer tür und kam mit seinem notebook herein. Sein frau stiess ein wenig später auch hinzu. Sie hatten zwar recht schnell verstanden, dass wir kein russisch sprechen, aber wirklich interessiert hat sie die tatsache wohl auch nicht. Der mann, marke rusischer braunbär, zeigte uns auf seinem notebook fotos vom letzten skiurlaub mit seiner familie und erzählte uns freundlich was zu jedem bild. Wir konnten nur lächelnd mit den schultern zucken. Anschliessend ging er von fotos zu videos über…wir verstanden nach wie vor nur bahnhof. Seien frau versuchte uns sein russisch mit russisch zu erklären, was leider auch nichts half. Dennoch machten die beiden ungestört weiter. Die beiden waren sehr nett und verliessen dann auch, nachdem wir auch noch mail-adressen austauschen sollten, wieder unser abteil. Es war schaden, dass wir mit den leuten im zug nicht wirklich reden konnten, da die sprachbarriere einfach viel zu gross war. Mehr als „guten tag“, „auf wiedersehn“ und die zahlen von 1-10 waren bei uns einfach nicht im repertoire…

Das fazit unserer mammutfahrt von 90h ist mit sicherheit, dass es ein klasse erlebnis war. Die transsibirische eisenbahn hat einfach eine besondere atmosphäre. Die menschen, die landschaft und die station versetzten einen unweigerlich in eine andere welt. Natürlich sind 90h gewackel auch anstrengend, aber man macht so eine fahrt ja auch nicht jede woche…
Wir werden nach unserer ankunft in moskau einen halben tag ein kompaktes touristenprogramm absolvieren und dann anschliessend wieder nach düsseldorf fliegen. Wir beenden damit an dieser stelle unseren blog……..für diese reise ;)

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